Wie ich mit der Methode Lean meiner Tochter geholfen habe, ihre Mathe-Noten aufzubessern

Ein Beitrag von Thomas Deligny

Um was es geht – Lean für die Vorbereitung von Examen

Meine Tochter ist in der 8. Klasse und hatte gerade eine ganze Reihe von Mathematik-Noten, die unter dem Durchschnitt lagen.

Das hatte mehrere Auswirkungen: Entmutigung (ich bin nichts), Fehler auf andere schieben (der Lehrer mag mich nicht) und eine starkes Gefühl der Ungerechtigkeit (die Test sind superschwer) … und außerdem, das muss man zugeben, eine gewisse Unruhe bei den Eltern, die nicht mehr wussten, wie sie ihrer Tochter besser helfen / ermutigen / zu mehr Fleiß bringen konnten.

Also, anstatt noch ein weiteres Mal zu wiederholen, dass man sich nicht entmutigen lassen dürfe, dass man durchhalten müsse und dass bei allen Menschen Hochs und Tiefs gebe …. entschied ich, den Ansatz zu ändern.

Unsere Aufgabe

Wir begannen damit, ihre letzten 3 Prüfungen zu analysieren, um die Gründe für ihre Noten zu verstehen. Wir sind also durch jede falsche Antwort gegangen und haben ein Post-it ® mit dem Grund aufgeklebt, wie z.B.:

  • schlechtes Lesen der Aufgabenstellung
  • Flüchtigkeitsfehler
  • Nicht gelernt
  • Mangel an Zeit

Dann haben wir die Häufigkeit der Fälle gezählt um zu verstehen, woher die Fehler kamen. Resultat:

  • schlechtes Lesen der Aufgabenstellung 10x
  • Flüchtigkeitsfehler 6x
  • Verständnis / Mathewissen 2x
  • Mangel an Zeit 0x

Dann, nachdem diese Ursachen einmal identifiziert waren, haben wir uns für das „Warum“ interessiert (Ursachenhypothese):

Zum Beispiel zum Punkt „schlechtes Lesen der Aufgabenstellung“ ?

Antwort 1: Weil ich zu schnell lese

Warum liest du zu schnell?

 Weil ich Angst habe, nicht genug Zeit zu haben

Und warum hast du diesen Eindruck?

Weil da viele Fragen sind und wenig Zeit!

Antwort 2: Weil es nicht klar war

Was war nicht klar?

Die Worte sind nicht eindeutig

Antwort 3: Weil ich die Aufgabenstellung nicht gut verstanden habe.

Warum?

Ich glaube weil ich den Text nicht genau gelesen habe.

Und warum?

Bah, weiß ich nicht, deine Fragen sind doof !

Antwort 4: Weil ich dachte, dass im Text des Lehrers ein Fehler ist

Ach so, ist das schon mal vorgekommen?

Eh, nein …

Am Ende haben wir uns auf einige simple Aktionen geeinigt, die wir uns wieder auf Post-its ®  geschrieben haben, anzuwenden für die nächsten Hausarbeiten und dann den Test.

Sie sind auf ihrem Schreibtisch auf Augenhöhe angeklebt, immer sichtbar während ihrer Hausarbeiten.

Einige Beispiele:

Für die Hausarbeiten eine Pause frühestens nach 40 Minuten.

Bevor mit den Übungen zu Hause begonnen wird, wird sichergestellt, dass alles aus dem Unterricht gut verstanden ist (wenn nicht, klebt sie ein rotes Post-it ® an, das angibt was ihr nicht klar ist).

Für den Test: Alles lesen vor Beginn der Bearbeitung, sich Zeit nehmen für die Rechnungen und Überlegungen.

Kontinuierliche Verbesserung mit PDCA

Nun analysieren wir diesen Fall aus der Sicht der Lean Methodik – selbst wenn alle meine Kollegen mich in Schutzhaft genommen hatten, als ich bei Operae begonnen hatte: „Niemals Lean zu Hause anwenden!“

Unser Wertschöpfungsprozess sieht so aus:

Wir begannen damit, mehrere „schlechte Elemente“ zu identifizieren, die wir sozusagen in einen „roten Korb“ legten. Dieser rote Korb erlaubte uns:

  • unser Problem der absinkenden Noten unterhalb des Durchschnitts sichtbar zu machen
  • die Auswirkungen zu messen: Entmutigung, Unsicherheit …
  • Hypothesen über die Ursachen aufzustellen, wovon wir die zutiefst zugrundeliegenden Gründe ableiteten (indem wir 5 mal die Frage „Warum“ stellten).

Von da an einigten wir uns auf mehrere Aktionen für die Schritte Hausaufgaben und Examen.

Wir haben gemeinsam die Gründe der Probleme verstanden und haben uns auf einige gute Lösungen geeinigt.

So haben wir zum Beispiel für die letzten Test gelernt, dass es nicht viel Sinn machen würde, weiterhin viel zu wiederholen, weil die zentralen Prinzipien verstanden waren. Das hätte also an der Note nicht viel geändert.

Ein erheblicher Teil der Note im Examen wird generiert durch penibles Lesen der Anweisungen, Konzentration und Überprüfung der Ergebnisse.

Zu den Themen Selbstvertrauen und Motivation (Respekt für den Menschen) konnten wir damit objektiv nachweisen, dass:

  • sie nicht eine Null in Mathe ist und
  • die notwendigen Fähigkeiten weitgehend gut gelernt wurden.

Unsere Aufgabe ähnelte also einem Projekt der kontinuierlichen Verbesserung des Typs PDCAPlan, Do, Check, Act“.

Nachdem ich diesen Artikel geschrieben habe, hat ein neuer Test stattgefunden. Und das Resultat ist um mehr als eine Note besser als beim Test davor!

Das ist es, was man den Schritt Check im PDCA nennt: man überprüft die eingeleiteten Gegenmaßnahmen.

Als ich meine Tochter einige Tage später fragte, was sie gelernt habe, sagte sie: Ich muss meine Ergebnisse genau überprüfen um keine Flüchtigkeitsfehler zu machen und ich muss die Anweisungen genau lesen und verstehen“.

Schließlich muss man sicherstellen, dass die getroffenen Maßnahmen dauerhaft Bestand haben – Schritt Act des PDCA – und man muss weitere Verbesserungsmöglichkeiten finden um die Noten weiter steigen zu lassen.

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