Wen muss ich eigentlich als Lean Coach gewinnen?

Ein Beitrag von Marie-Pia Ignace

Stellen wir uns vor, ein Unternehmen ist auf dem Weg seiner Umstellung zum Lean Management und möchte ein internes Team von Lean Coaches aufbauen. Es soll andere Teams bei ihren ersten Projekten begleiten, aber auch, auf längere Sicht, das Thema „Kontinuierliche Verbesserung“ vorantreiben. Welche Mitarbeiter muss dieses Unternehmen rekrutieren?

Wichtig zunächst: Sie werden einen Einfluss auf die Arbeitsweise bestimmter Personen haben, auf die Effizienz des Unternehmens und auf das Verhältnis des Unternehmens zu seinen Kunden.

Zudem wird ihre Ausbildung ein Jahr dauern, es ist also ein merkliches Investment für die Firma.

Jeffrey Liker, der großartige Autor des Lean Management, stellt in seinem Werk “the Toyota way fieldbook[1] eine Liste von 14 Eigenschaften vor, die aus seiner Sicht ein Lean Coach haben sollte:

  1. Klug
  2. Fähigkeit zur Synthese
  3. Lust zu lernen
  4. Packt mit den Händen ins Öl
  5. Passion für Verbesserungen
  6. Leadership
  7. Exzellente interpersonale Fähigkeiten
  8. Sehr guter Kommunikator (schriftlich u. mündlich)
  9. Verständnis für Daten (Anfängerniveau)
  10. Fähigkeit zu modellieren (z.B. einen Prozessfluss)
  11. Natürliche Neigung Probleme zu lösen
  12. Liebe zum Lesen
  13. Offen für neue Ideen
  14. Gute Selbstorganisation

Nach meiner Erfahrung ist die komplette Liste zutreffend. Man sucht am Ende Persönlichkeiten, die etwas untypisch sind:

Der Lean Coach schafft es, eine intensive Verbindung mit den operationell Tätigen aufzubauen.

Exceltabellen, Berichte und Powerpoints bringen ihn nicht zum Schwärmen. Der Lean Coach wird dagegen in engen Kontakt mit einem Team treten und dessen Mitglieder dabei unterstützen, auf neue Art und Weise zu arbeiten. Seine interpersonale Intelligenz wird es ihm ermöglichen, den persönlichen Rhythmus eines jeden einzelnen im Wandel zu akzeptieren, anstelle seine eigene Vision der Teamarbeit vorzuschreiben. Diese Fähigkeit zur Geduld hat einen doppelten Vorteil:

  • Wandel, der durch das Team entworfen wurde, wird nachhaltiger sein. Das Potential für Verbesserungen ist unendlich, und ein Team in der Richtung zu begleiten, in der es arbeiten möchte, wird bessere Resultate erzielen, als seinen eigenen Vorstellungen zu folgen.

Seine sehr eingeschränkte Erfahrung über die Arbeit eines Teams könnte einen Coach auf sehr falsche Fährten leiten. Sein Respekt gegenüber der Fachkompetenz der Arbeitskräfte garantiert die Qualität im Wandel.

Der Lean Coach wird letztlich Freude daran haben, Personen dabei zu beobachten, wie sie ihre Sichtweisen ändern, Vertrauen in ihre Fähigkeiten gewinnen und ihre Prozesse im Sinne des Erfolges verändern.

Kurz gesagt, versuchen Sie Personen zu gewinnen, die angenehm im Umgang sind und offen gegenüber anderen.

Der Lean Coach hat Lust zu lernen

Ich habe mein eigenes Eintauchen in das Thema Lean immer als eine Masterarbeit verstanden, mit Kursen in Unternehmensführung, in Management, Produktkonzeption und industrielle Organisation. Lean Management zu lernen war nicht einfach, denn ich war jahrelang in operationeller Verantwortung und deshalb mit klaren Ideen, wie bestimmte Situationen angegangen werden müssten. Viele davon sind in Frage gestellt worden oder mussten aufgegeben und durch neue ersetzt werden. Die Herausforderung zum Beispiel: Wer kann eine einfache Idee für ein tägliches Problem finden?

Die Person, die Sie aussuchen werden, wird auch jeden Tag hinzulernen müssen. Fragen Sie sie, ob sie darauf Lust hat und finden Sie heraus, ob sie ein Verlangen danach hat.

Einige Beispiele für mögliche Fragen:

Was ist das letzte professionelle Buch, was Sie gelesen haben? Die letzte Konferenz, an der Sie teilgenommen haben? Das letzte Experiment, das Sie durchgeführt haben?

Der Lean Coach möchte, dass seine Unternehmung Erfolg hat

Er wird Träger einer solchen Motivation zur Verbesserung sein, das nichts, oder fast nichts, ihn daran hindern wird. Er wird in jeder Situation ein Potential sehen, er wird ad hoc eine andere Sichtweise gegenüber seinem Manager vorbringen können, ohne Angst vor der Hierarchie zu haben.

Er wird wirklich Lust darauf haben, dass seine Kunden zufrieden sind, dass sie mehr bestellen und dass das Unternehmensergebnis besser wird. Er wird das Herz haben, Teams auf dem Weg der Verbesserungen in der Kundenbeziehung mitzunehmen. Er wird versuchen, die Sicht des Kunden zu verstehen und Vorgänge zu finden, für die Verbesserung Sinn macht.

Schließlich ist der Lean Coach nicht zufrieden, wenn er sagen kann „Wir haben alle Aufgaben des Aktionsplans erledigt, die Arbeit ist getan“. Sondern er möchte die täglichen Verbesserungsaktivitäten sehen, bevor er sich freuen kann. Er ist methodisch tätig insofern er das davor/danach betrachtet und diese Arbeitsweise überall anwendet. Nichts erscheint ihm erstaunlicher als zu hören „Die neue Norm (oder der neue Prozess)? Nein, ich weiß nicht, wozu sie dient, aber ich habe 18 Monate, um sie in der Firma einzuführen.“

Kurz, der Lean Coach hat eine intrinsische Motivation: Das Spiel seines Unternehmens zu gewinnen.

Der Lean Coach weiß wovon er spricht

Schließich muss der Coach, den Sie gewinnen wollen, das Gebiet kennen, auf dem er zum Einsatz kommen wird. Der IT-Lean Coach muss eine Darstellung von Vorfällen lesen können, und derjenige, der ein Team aus der Buchhaltung coacht muss ein Minimum an Verständnis darüber haben, was Aktiva und Passiva sind. Wenn die Aktivitäten, in denen Sie sich bewegen, ihnen völlig unbekannt sind, wie kann man dann die richtigen Fragen stellen, die andere nachdenken lassen? Schwierig!

Sympathisch, offen für neue Ideen, kompetent und engagiert, der künftige Lean Coach hat also eine ganze Reihe an Talenten! Was den Job interessant machen wird: die Möglichkeit, das Unternehmen gut kennenzulernen, der Zugang zu Führungspersonal und Unternehmensleitung und vor allem die Möglichkeit das Management zu leiten, und zwar gemeinsam.

[1] Kapitel 20. « leading the change » – page 436

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