Erst einmal überlegen, bevor man auf die Suche nach Verschwendung geht!

 

Die Idee von Lean hat die Vorstellung befördert, es gebe in jedem Unternehmen Verschwendung, die demzufolge abgebaut werden müsse. Diese Idee hat eine rasende Marketingeffizienz erbracht, sie ist weit verbreitet und sogar eine Art von Lean-Definition geworden („Ach ja, das ist Lean! Die Jagd nach den Verschwendungen!“). Ich mag es bedauern, aber diese Idee hat einen Kern von Wahrheit, über den ich hier sprechen möchte.

Nr. 1 der falschen Vorstellungen: Lean Management ist die Jagd nach Verschwendungen.

Die allererste Überlegung, die man beim Start eines Lean-Projektes anstellen muss, und zwar vor allem im Bereich der Services oder Informatik, ist zu verstehen

  • wer ist der Kunde?
  • welchen Wert liefert man ihm?

Diese Punkte sind auch in anderen Blog-posts angesprochen worden, deshalb gehe ich hier nicht weiter darauf ein.

Sobald man ein gutes Verständnis über den Wert für den Kunden hat, kann man nach Verschwendung suchen. Und wenn man welche findet, kann man versuchen, sie zu abzubauen. Man kommt also zum Standardvorgehen des Lean Management:

Gemeinsam sehen – gemeinsam verstehen – gemeinsam handeln.

 

Nr. 2 der falschen Vorstellungen: die Jagd auf Verschwendungen ist die Verbesserungsstrategie des Lean Management

Nur zur Erinnerung: Abweichungen bilden das Phänomen der Unsicherheit, das man bei einem Prozess feststellt. Unsicherheit über die Arbeitslast, über Verzögerungen in der Durchführung, oder über die Qualität, die man liefert. Diese Unsicherheit ist begründet in den wichtigen Elementen eines Prozesses: Der weniger präzise ist als man sich vorstellt, in Zulieferungen mangelnder Qualität, Kenntnismängeln oder einer wenig zuträglichen oder unpassenden Arbeitsumgebung.

Die großen Sensei (Experten) des Lean sind darüber einig, dass die erste Schlacht des Lean sich gegen die …. Abweichungen richtet. Aus drei Gründen:

  • Gewinn an Expertise

Durch Lean Management wird angestrebt, dass die Mitarbeiter in ihrem Arbeitsfeld die beste Expertise gewinnen. Abweichungen geben ihnen dann Hinweise, wo der Prozess schlecht beherrscht ist, das PDCA erlaubt ihnen dann, kritisch mit dem Problem umzugehen.

  • Kundenzufriedenheit

Die Kunden möchten vor allem eine Auslieferung ihrer Produkte zum vereinbarten Zeitpunkt. Allerdings sind sie oft in der Lage, sich an ihre Lieferanten anzupassen – sofern diese bezüglich Verzögerungen verlässlich sind. Die Kunden sind sehr genervt durch Abweichungen davon.

  • Produktivität

Im Bereich der internen Dienstleistungen sind Abweichungen leicht für die Hälfte der Zeit des Prozesses verantwortlich. In der Informatik sogar noch deutlich mehr. Deshalb: wenn die Abweichungen abnehmen, steigt die Produktivität.

Und gerade in der IT gibt es oft überall Abweichungen:

  • Unklarheiten in den übermittelten Daten und Zeitlimits;
  • schlecht beherrschte Handgriffe, konfuse Aufeinanderfolge der Arbeitsschritte;
  • nicht bekannte firewalls, unzugängliche Daten, schlecht dimensioniertes Netzwerk;
  • etc, etc:

Aber das alles ist nicht unabwendbar. Die Teams sind absolut fähig, Verbesserungsmöglichkeiten zu den verschiedenen Mängeln zu finden.

 

Die wahre Idee: Der Abbau von Verschwendung ist im Zentrum der Verbesserungen mit Lean

Es ist nicht verboten, paradox zu sein !

Sobald die Grundlagen des Lean Management verstanden sind (den Kunden verstehen, die Abläufe beherrschen, Probleme per PDCA zu untersuchen), können die Mitarbeiter ihre intellektuellen Kapazitäten und ihre Neugier nutzen. Verschwendungen werden damit ein unendliches Spielfeld, weil es von Beginn an sehr viele gibt, und neue entstehen immer wieder in einer Welt, die sich schnell bewegt.

Nehmen wir die Verschwendung „unnütze Tätigkeiten“:  Sie stellen einen wirklichen Mangel an Respekt gegenüber dem Mitarbeiter dar. Am Ende sind sie ein Symbol der Gleichgültigkeit des Unternehmens gegenüber dem Mitarbeiterbeitrag. Ich habe immer Mitleid mit der Krankenschwester, die durch die Flure laufen muss, um eine Blutdruckmessgerät zu finden, obwohl sie doch eine so ausgeprägte Verantwortlichkeit gegenüber den Patienten hat. …

Und schließlich, bei Toyota in Japan ist ein Arbeitsplatz dann als schlecht organisiert angesehen, sobald der Mitarbeiter sich um mehr als 20cm bewegen muss. In Europa spricht man eher von Metern. Die 80cm Unterschied erklären sich in 20 Jahren längerer Überlegung bei den Japanern über den Abbau von Verschwendungen.

Verbesserungsmöglichkeiten gibt es unendlich viele ….

Beitrag von Marie-Pia Ignace (Partner von Operae Partners)

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